RANGZEN-CHARTA: ANHANG
Konfusion um die Richtung des Freiheitskampfes
Woran es in der Debatte über die Frage "Was ist in der Tibet-Frage zu tun?" ganz gewiss nicht fehlt, sind hirnrissige Beiträge, wie etwa die von chinesischen Dissidenten im Westen, denen zufolge die Tibeter sich für die Förderung der Demokratie in China einsetzen sollten, deren Verwirklichung dann positive Voraussetzungen für eine "wahre" tibetische Autonomie schaffen werde - mit anderen Worten: die die tibetische Unabhängigkeit einfach überflüssig machen würde. Eine andere Idee, die aus einer eher frommen Richtung kommt, will, dass der Dalai Lama und andere tibetische religiöse Führer darauf hinarbeiten sollen, die Chinesen zum tibetischen Buddhismus zu bekehren. Dabei scheint vergessen zu werden, dass die "tibetisch-buddhistischen" Mandschu keinerlei Skrupel hatten, Tibetern die Köpfe abzuschlagen, tibetische Klöster niederzubrennen und sogar Truppen zu entsenden, um den 13. Dalai Lama (den geistlichen Unterweiser des Kaisers) wie einen gewöhnlichen Kriminellen zu jagen. In ähnlicher Weise beharrte einer, der als führender Rechtsberater der tibetischen Regierung gilt, darauf, dass die Lösung in einer Wiederbelebung des Patron-Priester-Verhältnisses liegt (wobei offenbar Jiang Zemin die Rolle der Inkarnation des Manjushri, des Mandschu-Kaisers, spielen soll). Linke westliche Intellektuelle, die ihr Engagement für die Tibet-Frage bekennen, haben weniger bizarre, aber gleichwohl originelle Lösungen vorgeschlagen. Eine davon besagt, die Tibeter sollten darauf hinarbeiten (oder wenigstens ihre Hoffnungen darauf setzen), dass in der chinesischen KP unausweichlich "Gemäßigte" oder "Reformer" aufsteigen.
Eine Variante des Szenarios "Gemäßigte" gegen "Hardliner" wurde mit Erfolg von den Nazis angewandt, als sie versuchten, die Entschlossenheit der Demokratien vor dem Krieg zu unterminieren. Die Methode, die ein trickreicher Manipulator wie Hermann Göring gewöhnlich anwandte, wenn es darum ging, den Engländern oder Franzosen Zugeständnisse abzupressen, war, dass er betonte, das Zugeständnis sei nötig, damit die "Gemäßigten" in der Nazipartei sich gegen die "Hardliner" durchsetzen könnten, um Hitler davon zu überzeugen, keinen Krieg zu beginnen.
Begriffe wie "Reformer" und "Hardliner" sind im chinesischen Kontext fließend und oft sogar ganz ohne Bedeutung. Die Taten der "Reformer" in China, wenn sie sich erst einmal an der Macht etabliert haben, geben wenig Anlass zu Optimismus. Kein Geringerer als der große China-Experte John King Fairbank selbst nannte einst Mao Zedong einen "Agrarreformer". Das war freilich vor Maos Großem Sprung, vor dem kompletten Scheitern der wahnwitzigen Agrarreformen und vor der größten Hungersnot in der Geschichte der Menschheit. Deng Xiaoping wurde als "erklärter Reformer" gepriesen, als er nach den Vorfällen auf dem Tiananmen-Platz im April 1976, bei denen "Zehntausende Polizisten und Milizionäre" eine friedliche Menge niederknüppelten, die dem toten Zhou Enlai die letzte Ehre erwies, in Ungnade aus dem Amt entfernt wurde. Deng hatte sich mit der Menge solidarisch erklärt. Aber dreizehn Jahre später, nun selbst in einer Spitzenposition, ließ Deng eine andere Menge friedlicher Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz mit weitaus mehr tödlicher Gewalt niederknüppeln. Und er jagte einen neuen "erklärten Reformer", Zhao Ziyang, der die demonstrierenden Studenten unterstützt hatte, aus dem Amt.
Aber auch Zhao Ziyang braucht man keine Tränen nachzuweinen. Auch wenn er zusammen mit den Demonstranten weinte, kann man doch mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass er, wäre er an der Macht gewesen und von den Demonstranten in gleicher Weise herausgefordert worden, ebenso reagiert hätte. Das Massaker in Lhasa im März 1989 war von Zhao Ziyang, der damals Parteisekretär war, persönlich angeordnet worden. Nach den Morden schickte er eine Botschaft nach Lhasa, in der die bewaffnete Polizei als "tapfer und beharrlich" gelobt wurde.
Chinafreunde und auch das chinesische Volk selbst sollten, wenn sie nach Reformern Ausschau halten, daran denken, was der große chinesische Schriftsteller Lu Xun über diese Art Politiker in den Kreisen der chinesischen Staatsmacht sagte: "Wer immer an der Macht gewesen ist, hat den Wunsch nach Restauration. Wer an der Macht ist, befürwortet den Status quo. Und wer noch nicht an der Macht ist, ruft nach Reformen. Das ist die allgemeine Situation."
Der neue Nationalismus
Ein Thema, das in diesem Jahrzehnt weltweit auf der Tagesordnung steht, ist der Kampf der Kosovaren, Palästinenser, Kurden, Bosnier, Kroaten, Tschetschenen, Osttimoresen und einer ganzen Reihe weiterer Völker um Eigenstaatlichkeit. Für einige dieser Konflikte besteht Aussicht, dass sie auf die eine oder andere Weise gelöst werden, während andere sich in die Länge ziehen und zuweilen sogar das Eingreifen der Großmächte erfordern - wie zuletzt im Falle der Bombardierung Serbiens durch die NATO. Aber ob mit oder ohne Gewalt, Nationalstaaten vermehren sich in erstaunlichem Maße. Innerhalb von 10 Jahren stieg die Zahl der UNO-Mitgliedstaaten von 156 auf 185. Selbst in stabilen westlichen Ländern wie Großbritannien und Kanada träumen ethnische Minderheiten - Schotten, Waliser, Franko-Kanadier - von einem eigenen Sitz in der UNO.
Allgemein gilt die Vermutung, dass mit der Beseitigung der Strukturen des Autoritarismus und des Kalten Krieges alte ethnische Ambitionen und Hassgefühle entfesselt worden seien, die möglicherweise zu einer weit komplexeren und gefährlicheren Welt führen als die vertraute bipolare Einteilung in Ost und West. Aber ist das wirklich so? Ein Artikel von Serge Schmemann in der New York Times stellt diese Perzeption in Frage:
"Könnte es vielleicht sein, dass dieser vermeintlich neue Nationalismus gar nicht so neu, so überraschend und so gleichermaßen gefährlich ist? Viele, die sich mit internationalen Fragen befassen und die Nationalismen und Konflikte näher untersucht haben, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die meisten dieser Bestrebungen viel älter sind als der Zusammenbruch des Kommunismus. Neu ist ihnen zufolge nicht der Nationalismus und das ethnische Bewusstsein als solches, sondern die Art, wie die Welt diese Erscheinungen in einem komplexen neuen Gesamtzusammenhang wahrnimmt, und wie sie in einer Welt mit durchlässigen Grenzen und untereinander verflochtenen Wirtschaften politisch eingesetzt werden Der zunehmende Globalismus, so folgern sie, habe für kleine Nationen, die hoffen, am Wettbewerb um Ressourcen, Investitionen und Hilfe teilnehmen zu können, die Notwendigkeit eigener Staatlichkeit paradoxerweise noch vergrößert.
Gefördert wurde die Vermehrung der Staaten, so die Experten, weniger durch das Aufblühen des Nationalismus als vielmehr durch eben die Kräfte, von denen man geglaubt hatte, durch sie würde der Nationalismus überholt sein. In einer Welt, die durch den Luftverkehr, das Internet, den multinationalen Handel und internationale Organisationen immer mehr zusammenwächst, sehen ethnische Minderheiten keinen Grund mehr, sich nicht unmittelbar daran zu beteiligen. Waren z.B. die Olympischen Spiele während des Kalten Krieges ein Ersatzwettkampf zwischen zwei Ideologien und Supermächten, so ist heute kaum noch einzusehen, warum nicht jede Nation, ob Großmacht oder Zwergstaat, ihre eigenen Athleten antreten lassen und ihre eigenen Lorbeeren sammeln soll.
Selbst eine Organisation wie die Europäische Union, die zuerst 1949 von Jean Monnet konzipiert wurde, um eine Rückkehr der europäischen Staaten zum destruktiven Nationalismus der Vergangenheit zu verhindern, ermutigt faktisch den neuen Nationalismus, indem sie einen Schirm bildet, der die Souveränität kleinerer und schwächerer Mitgliedsländer wie Irland oder Luxemburg stützt und so die Voraussetzungen für eine mögliche spätere Unabhängigkeit solcher nichtsouveräner Einheiten innerhalb ihrer Grenzen wie Schotten, Waliser, Katalanen und Basken schafft."
Susan Woodward, eine Wissenschaftlerin am Brookings Institute, sieht in dem neuen Nationalismus insofern eine starke wirtschaftliche Komponente, als kleine Nationalitäten, wenn sie erst von ideologischer Bevormundung frei sind, zu dem Schluss kommen, dass Unabhängigkeit im Kampf um internationale Ressourcen von entscheidender Bedeutung ist. "Globalisierung führt zu Fragmentierung, je wichtiger der Staat wird, um an einige Ressourcen zu gelangen und Zugang zu internationalen Anleihen und zu Handelsabkommen zu erhalten."
Somit ist das, was auf den ersten Blick wie Regionalismus aussieht, in Wirklichkeit ein Weg, die größere Verflochtenheit der Welt zu erkennen.
Der moralische Aspekt des tibetischen Freiheitskampfes
In vielen derartigen ethnischen und nationalen Konflikten ist zugegebenermaßen nicht alles schwarz oder weiß. Auch wenn wir nicht zögern, die "ethnischen Säuberungen" der Serben zu verurteilen, sollten wir nicht die Gräueltaten ganz vergessen, die die Kroaten und Bosnier im Zweiten Weltkrieg anrichteten, als sie an der Seite von Nazi-Deutschland gegen Titos Partisanen kämpften. Und in Ländern wie Ruanda und Burundi sind die ethnischen Leidenschaften offenbar schon dermaßen durcheinandergeraten, dass es trotz der erschreckenden Zahl von Leichen und verhungernden Kindern schwer ist, Täter und Opfer zu unterscheiden.
Die moralischen Positionen der verfeindeten Gruppen (einschließlich der Briten) in Nordirland sind genau so grau wie der Himmel dort im Winter ist. In der Frage Palästina-Israel war es, glaube ich, der israelische Präsident Chaim Weitzman, der sagte, das Tragische an dem Konflikt sei nicht, dass die eine Seite im Recht und die andere im Unrecht sei, sondern dass beide im Recht seien.
Aber wenn es eine Frage auf der Welt gibt, für die ein eindeutiges Schwarz-Weiß-Schema zutrifft, dann ist das, wie ich meine, die Tibet-Frage. Sicher muss ich zugeben, dass ich in dieser Angelegenheit ausgesprochen parteiisch bin und Gefahr laufe, selbstgefällig und rechthaberisch zu wirken, aber ich will meine Position erklären. Ich will nicht mit den üblichen Argumenten langweilen, insbesondere mit der Zurückweisung der "historischen" Ansprüche Chinas auf Tibet. Für jeden, der sich einigermaßen in der Geschichte Chinas auskennt, ließen sich die gleichen "historischen" Argumente unverändert oder nur wenig verändert ebenso gut auf Burma, Bhutan, Vietnam, Korea (Nord- und Süd-), Teile von Japan und vermutlich auch auf die Philippinen, Nepal und Indonesien anwenden. Und es ist nicht gesagt, dass China nicht eines Tages, wenn es nur stark genug ist, genau das tun wird.
Worauf es mir ankommt, ist die moralische Begründung für den tibetischen Kampf und vor allem für unser Vorgehen in gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Chinesen. Ich will nicht auf unseren "gewaltlosen" Kampf eingehen, der in Wirklichkeit kein Kampf oder eine Bewegung im Sinne Gandhis, sondern eher eine Übung in Diplomatie ist. Ich möchte vom Verhalten von Tibetern sprechen, die nicht nur zur Gewalt fähig waren, sondern auch stark und geschickt genug waren, Überlegenheit über den Feind zu erreichen. Im Jahre 1918 brachte die moderne Armee des 13. Dalai Lama den chinesischen Truppen in Ost-Tibet eine Niederlage bei und beabsichtigte, sie ganz und gar aus Kham zu vertreiben. Die Engländer, die unsere einzigen Waffenlieferanten waren (wir zahlten für alles in Silber), zwangen uns an den Verhandlungstisch. Der englische Vermittler Erich Teichman sagte folgendes über das Verhalten unserer Offiziere und Soldaten:
"Die Tibeter haben sich in Chamdo ohne Frage sehr korrekt verhalten und ihre chinesischen Kriegsgefangenen, gemessen an orientalischen Standards, menschlich und freundlich behandelt, mit Ausnahme geringfügiger Plünderungen, als die siegreichen tibetischen Soldaten in die Stadt einmarschierten. Zwar kamen während der eigentlichen Belagerung viele Chinesen ums Leben, aber mir ist nicht ein einziger Fall bekannt geworden, dass ein Chinese nach der Kapitulation zu Tode gekommen wäre. Die gefangenen Soldaten waren alle ordentlich ernährt und jeder erhielt sogar, bevor er nach Tibet verbracht wurde, etwas Reis und ein paar Rupien. Die chinesischen Zivilisten bewegen sich derzeit frei in der Stadt und gehen ihren normalen Tätigkeiten nach, wobei jeder einen Ausweis am Arm trägt, aus dem hervorgeht, dass er im tibetischen Hauptquartier registriert ist."
Ein alter tibetischer Gelehrter, der als Kind in Kham gelebt hatte, berichtete mir, der Kommandeur der tibetischen Truppen, Chamba Tendar, hätte einen tibetischen Soldaten erschießen lassen, weil dieser ein chinesisches Geschäft geplündert hatte. Chamba Tendar habe auch freundlich mit den chinesischen Gefangenen gesprochen und (als ein Mönch, der seine Gelübde für die militärische Karriere widerrufen hatte) ihnen eine Art buddhistische Unterweisung über die illusorische Natur von Sieg oder Niederlage gegeben, dazu ein paar Rupien aus seinem persönlichen Fonds.
General P'eng Jih-sheng, der chinesische Kommandeur in Chamdo, bat, nicht nach China zurückgeschickt zu werden. Seiner Bitte wurde stattgegeben, und er ließ sich in Dowa dzong in Süd-Tibet nieder. Er war derjenige gewesen, der den Krieg begonnen hatte, und als Chamba Tendar ihm schrieb und um eine Erklärung für die Verletzung des Waffenstillstands bat, hatte General P'eng seine Briefe mit Exkrementen beschmiert zurückgeschickt. General P'eng war berüchtigt wegen seiner Intoleranz und seiner Grausamkeit gegenüber den Tibetern, und er war verantwortlich für die Zerstörung der großen Klöster in Chamdo, Drayak und Yemdo bei früheren Auseinandersetzungen, dennoch tat man ihm nichts und ließ ihn den Rest seines Lebens in Tibet mit einer Regierungspension verbringen.
Als 1950 die chinesische Armee die tibetischen Streitkräfte angriff, gab es in Lhasa eine nicht unbedeutende Gemeinschaft chinesischer Geschäftsleute, die ungeschützt war. Aber niemand dachte auch nur daran, einen Stein auf sie zu werfen. Dabei ist zu bedenken, dass der klassische Pöbel in Lhasa keineswegs friedlich gewesen war und zu einem früheren historischen Zeitpunkt (1750) sogar die chinesische Gesandtschaft niedergebrannt und den Mandschu-Kommissar (der den tibetischen Herrscher Gyurmey Namgyal ermordet hatte) getötet hatte. Als im März 1959 das Volk von Lhasa drei Tage lang gegen die chinesischen Truppen kämpften, gab es nicht einen einzigen Bericht, dass chinesische Zivilisten in der Stadt erschossen worden wären, dass ihnen die Kehlen durchgeschnitten wären oder irgendwelche sonstigen Gräueltaten an ihnen verübt worden wären. Dagegen wurden beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs in ganz England Geschäfte und Firmen deutscher Besitzer verwüstet und geplündert, und unmittelbar nach der Kriegserklärung 1941 erfasste die US-Regierung alle Bürger japanischer Abstammung und internierte sie in riesigen Konzentrationslagern.
Für die Zeit, als die mongolische Militärherrschaft in Asien auf ihrem Höhepunkt stand und die tibetischen Lamas unter der Schutzherrschaft der Großen Khans standen, existiert kein Zeugnis darüber, dass Tibeter ihre Position dazu ausgenutzt hätten, an den Chinesen Rache zu üben. Im Gegenteil: In den Biographien der Shakya-Lamas wird nie versäumt, auf die Probleme hinzuweisen, die sie bekamen, wenn sie versuchten, die mongolischen Fürsten davon abzuhalten, jedes Jahr Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Chinesen abzuschlachten. Darüber hinaus wird von 100 000 koreanischen Soldaten berichtet, deren Leben von Drongon Chogyal Phagpa gerettet wurde, indem er sie, um ihnen das Schicksal im Falle der Ergreifung durch die Mongolen zu erleichtern, zu buddhistischen Mönchen machte. Damit komme ich zu folgender seltsamer Geschichte:
Nach der Eroberung Chinas durch die Mongolen rettete das Eingreifen Phagpas dem letzten Thronprätendenten der Sung-Dynastie das Leben. Die Mongolen waren nicht gewillt, diesen potenziellen Kristallisationspunkt des Aufruhrs am Leben zu lassen, aber auf Phagpas wiederholtes Drängen ließen sie nach einigem Zögern überreden, den Jungen nicht zu töten. Um die Mongolen zu beruhigen, nahm Phagpa den Prinzen mit nach Tibet und machte ihn zu einem Mönch. Aber der Prinz empfand das Mönchsleben vermutlich als langweilig. Die im Bezirk Shang in Südwest-Tibet ansässige niedere Adelsfamilie Meru Gyalpo führt noch heute ihre Abstammung auf den letzten Spross der Sung-Dynastie zurück.
Auch schon früher im Altertum, in einer wild-militaristischen Epoche der tibetischen Geschichte, hielten sich unsere Krieger an Grundverhaltensregeln, die in unseren traditionellen Redensarten "Trampele nicht auf einem Toten herum" und "Tritt nicht auf einen, der am Boden liegt" zum Ausdruck kommen.
Im Jahre 659 n.Chr. lieferte sich die kaiserlich-tibetische Armee unter der Führung des großen Ministers Tridring aus dem Clan der Gar eine Schlacht mit einer größeren chinesischen Armee, vermutlich im heutigen Gebiet Do-nyida in Amdo. Die tibetische Streitmacht fiel "gleich einem hungrigen Tiger, der auf ein Stück Fleisch springt," über die Chinesen her, "wie ein Sturm, der die Luft mit blutrünstigen Schreien erfüllte Sie schleuderten Speere, Pfeile und Schwerter gegen ihre Feinde, und zehntausend chinesische Soldaten wurden getötet und verwundet. Der chinesische General Wong ker-zhang-she (Wang Hsiao-Chie?) wurde mit ungefähr hunderttausend Soldaten gefangengenommen und mit dem Tode bedroht. Aber der große Minister Tridring (Khri-'bring) sagte: 'Es ist vollkommen undenkbar für einen Tibeter, einen unbewaffneten Soldaten in seinem Gewahrsam zu töten oder einem angebundenen Pferd die Haut abzuziehen.' Dann wurde die Leiche eines Chinesen aufgezogen, und alle durchbohrten sie mit ihrer Waffe als symbolische Geste für die Tötung von hunderttausend chinesischen Soldaten. Auf dem Schlachtfeld wurden die vielen gefallenen chinesischen Soldaten begraben, und der Ort wurde bekannt als Chinesenfriedhof Stag-la und Chinesenfriedhof Rma."
Ich führe diese Beispiele nicht an, um in der Art mancher irregeleiteter Tibetfreunde im Westen zu demonstrieren, welch wunderbare Menschen die Tibeter waren oder sind. Mir ist nur allzu bewusst, dass wir in unserer jüngeren Vergangenheit oft rückwärtsgewandt und selbstgerecht waren, aber ich meine, man kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir niemals absichtlich bösartig oder unmenschlich gewesen sind. Es ist durchaus verständlich, dass junge Tibeter (und auch nicht-tibetische Freunde und Unterstützer), wenn sie ernüchtert feststellen müssen, dass das idealisierte offizielle Bild des alten Tibet nicht stimmt, manchmal auf die gegenteilige Sicht der tibetischen Geschichte umschwenken, so wie sie von chinafreundlichen "Tibet-Experten" im Westen verbreitet wird. Es bedarf keines hochentwickelten analytischen Sachverstands (der noch erforderlich war, als es darum ging, Fakten über Hungersnöte, Straflager und Massenmorde in China herauszufinden), um die vielen negativen Erscheinungen in der Vergangenheit in Tibet namhaft zu machen: den Konservatismus, die Ungleichheit, die Korruption und die Selbstgefälligkeit. Es lag alles offen zutage, so wie der Schmutz und die Bettler vor dem Jokhang-Tempel in Lhasa, die, nebenbei bemerkt, auch im modernen sozialistischen Tibet noch da sind. Worauf es hier ankommt, ist, dass unsere Geschichte, auch wenn sie einen dringenden Reformbedarf in Kirche und Gesellschaft hat, keinen Anlass für Schuldgefühle oder Scham bietet. Tatsächlich gibt es viel, worauf wir mit Recht stolz sein können. Bei der Austragung von Feindseligkeiten gegen unsere Unterdrücker mag es uns an zahlenmäßiger Stärke und an Ressourcen gefehlt haben, aber nicht an Mut und niemals an Ehrenhaftigkeit und Menschlichkeit. Wenn es eine Sache auf der Welt gibt, für die es sich zu kämpfen und zu sterben lohnt, dann ist es sicher der tibetische Kampf um Unabhängigkeit.
Ein chinesischer Ausblick auf die tibetische Unabhängigkeit
Ich schreibe dies zu einem Zeitpunkt, da noch immer NATO-Bomben auf Serbien fallen und die chinesische Botschaft von einem Marschflugkörper getroffen worden ist. So fragwürdig Flächenbombardements als Strategie zur Niederzwingung oder wenigstens Zügelung eines blutrünstigen Diktators wie Slobodan Milo_evic auch sein mögen, es ist unbestreitbar, dass sie die Kosovo-Frage ins Blickfeld gerückt haben und im Gefolge auch andere nationale Fragen wie die der Kurden, der Palästinenser und auch der Tibeter wieder ins Gespräch gebracht haben. Auch die offizielle chinesische Sicht der Aussichten auf die tibetische Unabhängigkeit scheint dadurch weniger rüde und gereizt zu sein. Vor seiner Reise in die USA und nach Kanada gab der chinesische Premierminister Zhu Rongji das in einem Interview mit der Zeitung Globe and Mail (Toronto) indirekt zu, als er die Intervention der NATO und der Amerikaner im Kosovo scharf verurteilte und erklärte: "Die Kosovo-Frage ist ein ethnisches Problem Solche Probleme gibt es in vielen Ländern. Sie in Kanada haben die Quebec-Frage, Großbritannien hat die Nordirland-Frage, und für China gibt es die Tibet-Frage."
Es ist durchaus möglich, dass Zhu einen Artikel von einem Wang Lixiong gelesen hatte, der am 2. Januar d.J. in der Pekinger Zeitung Zhanlue Yu Guanli erschienen war. Wang stellte die These auf, dass ein wahrscheinliches "Worst-case-Szenario" nach dem Tod des gegenwärtigen Dalai Lama so aussehen könnte, dass die Exilgemeinschaft von gewaltbereiten Elementen dominiert wird, die "die Gefahr heraufbeschwören, dass Tibet ein zweites Palästina oder sogar Tschetschenien wird".
Wangs Artikel "Tibet: Chinas weicher Unterleib im 21. Jahrhundert" ist ein gut recherchierter, überraschend unpolemischer und, soweit das einem Chinesen im Hinblick auf Tibet möglich ist, objektiver Beitrag über die Unmöglichkeit einer friedlichen und beiderseits befriedigenden Regelung der Tibet-Frage. Wang räumt ein, dass es der Dalai Lama möglicherweise ehrlich meint, wenn er die Autonomie akzeptiert, erläutert aber sodann eingehend, warum die Kluft zwischen der Haltung des Dalai Lama und der chinesischen Position unüberbrückbar ist. Unter Berufung auf ein Interview, das der Bruder des Dalai Lama, Tenzin Choegyal, dem französischen Reporter Pierre-Antoine Donnet gab (wobei er erklärte, dass die Autonomie nur ein ers-ter Schritt zur Unabhängigkeit sei), macht Wang geltend, dass 90 Prozent der Tibeter im Exil im Gegensatz zur erklärten Position des Dalai Lama fest auf der Unabhängigkeit beharren.
"Zwar mag der Dalai Lama es an sich ehrlich meinen, aber künftige Entwicklungen unter Kontrolle zu halten und das Verhalten derer, die nach ihm kommen, zu beeinflussen, steht nicht in seiner Macht. Wenn wir also die Zukunftsperspektiven der Tibet-Frage betrachten, dann müssen wir erkennen, dass die tibetische Unabhängigkeit als Möglichkeit immer existiert, und wir dürfen nicht glauben, dass sie in Zukunft kein Thema mehr sei, nur weil der Dalai Lama sagt, er strebe nicht nach Unabhängigkeit Es gibt nichts, was bei weltpolitischen Verschiebungen nicht passieren kann."
Wang übersieht auch nicht Indiens Rolle in der Angelegenheit und räumt überraschenderweise ein, dass die Tibeter geistig, kulturell und sogar physisch Indien viel näher als China stehen. Er beschreibt, wie chinesische Beamte aus der Qing- und der Guomindang-Zeit oft über Indien nach Lhasa fuhren, weil das viel bequemer war. Wang sieht in dieser Nähe der beiden Nationen eine große Gefahr, denn er weiß, dass sich Indiens militärische Fähigkeiten seit 1962 gewaltig verbessert haben und die indischen Verteidigungsausgaben in den achtziger Jahren fast doppelt so schnell gestiegen sind wie die chinesischen und heute sogar höher sind als diese, obwohl auch China seine Ausgaben erheblich gesteigert hat. Er beruft sich auf ausländische Militärexperten, die "der Auffassung sind, dass Indien heute die besten Bergtruppen der Welt hat, die die härtesten Strapazen aushalten und am besten ausgerüstet sind und die jeden chinesischen Angriff erfolgreich abwehren können".
Wang stellt klar, dass China nicht auf die Loyalität seiner tibetischen Kader bauen kann, die er für größtenteils "gläubig oder heimlich gläubig" hält. "Da Glaube heißt, ihren Gott zu verehren und der Dalai Lama der Gott der tibetischen Religion, zugleich aber auch ein Feind des chinesischen Regimes ist, haben die gläubigen Beamten eine doppelte Identität, wobei es immer eine heikle Frage ist, ob sie zuerst ihren Gott verehren oder erst den Feind bekämpfen sollen." Wie ein roter Faden zieht sich durch Wangs Argumentation der Eindruck, dass Chinas Herrschaft über Tibet nicht nur begrenzt, sondern möglicherweise sogar brüchig ist:
"Natürlich ist es in der gegenwärtigen Situation allein das in Tibet stationierte Militär, das die Separatisten davon abhält, die chinesische Souveränität zu erschüttern. Das Militär spielt bei der Souveränität nur die Rolle eines Seils, das Tibet an China binden, uns aber nicht auf Dauer durch Blutsbande zusammenhalten kann. In Friedenszeiten ist das Seil stark und unreißbar, aber wenn einmal ein bestimmter historischer Punkt erreicht ist, kann das Seil zu schwach werden, wie das Beispiel von 1911 zeigt, als der Vorgänger des Dalai Lama, der 13. Dalai Lama, die Revolution in China nutzte, 'um die Han-Chinesen zu vertreiben'. Die Qing-Dynastie unterhielt ebenfalls eine im Vergleich zu den Tibetern außerordentlich starke Streitmacht in Tibet, und der 13. Dalai Lama war ebenfalls im Exil in Indien, wo er einen Kurs verfolgte, mit dem er die Großmächte (Groß-britannien und Russland) für eine
Unterstützung der tibetischen Unabhängigkeit gewinnen wollte. Die Qing-Regierung hatte auch alle Beziehungen zum Dalai Lama völlig abgebrochen (sie erklärte sogar, dass sie dem 13. Dalai Lama den Titel aberkannt habe) und übte die historisch stärkste Kontrolle über Tibet aus. So hielt die Qing-Regierung scheinbar alle Fäden in der Hand, als für den 13. Dalai Lama, dessen Lage zu dieser Zeit schon fast hoffnungslos war, die chinesische Revolution von 1911 wie ein Geschenk des Himmels kam.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass immer, wenn die chinesische Souveränität über Tibet außer Kontrolle gerät, die Ursache dafür allein Instabilität in China ist. Auch die heutigen tibetischen Separatisten warten zweifellos Tag und Nacht darauf, dass sich eine solche Voraussetzung wieder ergibt. Sollte es in der chinesischen Gesellschaft einmal zu Unruhen kommen und die Lage außer Kontrolle geraten, dann würden die politische Natur des chinesischen Militärs und die große Abhängigkeit einer modernen Armee von der Logistik bewirken, dass unsere in Tibet stationierten Truppen die moralische und logistische Unterstützung verlieren, und diese zwei unvermeidlichen Umstände würden ihren raschen Zusammenbruch herbeiführen (oder zumindest ihre Kampffähigkeit abstürzen lassen). Zugleich würden viele Unwägbarkeiten nebeneinander auftreten: Was würde in Tibet geschehen? Was würden der Dalai Lama und die Exil-Tibeter tun? Was würde Indien tun? Was würden die Großmächte tun? Indessen würde unsere Souveränität [über Tibet] dann weitgehend ihren Rückhalt verlieren, da die nur nach Zehntausenden zählenden Han-Chinesen in Tibet einen instabilen Faktor bilden: ihre Familien leben in China, so dass sie in Tibet nicht verwurzelt sind und bei jedem Anzeichen von Unruhe vermutlich das Land verlassen werden."
Wang sieht keinen anderen gangbaren Ausweg aus diesem Problem als einen massiven Bevölkerungstransfer von Chinesen nach Tibet. Aber der von ihm beobachtete Rückgang der chinesischen Bevölkerung in Tibet seit ihrem Höhepunkt 1980 stimmt ihn pessimistisch. Er weist darauf hin, dass die augenfällige chinesische Präsenz in Tibet daher rührt, dass diese Bevölkerung hauptsächlich in den zentralen Städten und vor allem in Lhasa konzentriert ist. Aber auch diese ständigen Bewohner von Lhasa scheinen nicht gewillt zu sein, dort zu bleiben, was besonders für die heutige Generation gilt. "Viele junge Han-Chinesen haben Tibet bereits eigenmächtig verlassen und sind nach China zurückgekehrt, um dort neu zu beginnen, wobei es sie kaum kümmert, dass sie keinen Wohnsitz (in China) angemeldet haben."
Wang sieht nicht einmal in der offenkundigen Abschwächung des traditionellen Glaubens bei jungen Tibetern einen Vorteil für China, denn er sieht, wie an seine Stelle ein modernerer und gefährlicherer Glaube tritt: der Nationalismus:
"Eine Reise nach Lhasa hinterlässt den starken Eindruck, dass die einstmals alte 'heilige Stadt' zunehmend verweltlicht. Aber während die wirtschaftliche Entwicklung den Einfluss der Religion zurückdrängt, füllt sich die Leere, die die traditionelle Religion hinterlässt, mit einer anderen Quasi-Religion der modernen Gesellschaft auf: dem Nationalismus. Die Abschwächung der Religion wird vermutlich sogar zum Ausdruck und Katalysator für die Ausbreitung des Nationalismus Tatsache ist, dass für die am meisten verweltlichten städtischen tibetischen Jugendlichen die stärkste zentrifugale Kraft und nationalistische Gesinnung kennzeichnend ist. Sie waren in den vergangenen Jahren die führende Kraft im Widerstand und in den Straßenunruhen in Tibet. Andererseits: Wie sehr die Religion in den Städten auch durch den Materialismus ausgehöhlt wird, in den endlosen Weide- und Ackerbaugebieten hält das harte Hochlandleben die Tibeter in einer unauflöslichen Beziehung zur Religion."
Für Exil-Tibeter, die in einer ungesunden, auf sich selbst bezogenen Atmosphäre leben, in der Passivität, Selbstmitleid und Opfermentalität die Norm sind, ist es oft schwer, wenn nicht gar unmöglich, zu erkennen, dass China, wie mächtig es auch sei, unvorstellbar vielschichtige und lähmende eigene Probleme hat. Gerade aus diesem Grunde können die oben zitierten Auszüge aus den Schriften eines chinesischen "Tibet-Experten" für solche Leser eine heilsame Wirkung haben und zeigen, dass die Auffassung: "Die tibetische Unabhängigkeit ist möglich" mehr ist als nur eine Parole von Fanatikern und Träumern. Natürlich ist Wang jemand, der die Idee der tibetischen Unabhängigkeit grimmig ablehnt, und sein Artikel ist im Wesentlichen eine Mahnung an die chinesische Staatsmacht, in der Tibet-Frage nicht zu selbstsicher zu werden. Aber seine Analyse macht doch zweifelsfrei deutlich, dass die chinesische Kontrolle über Tibet nicht als sicher gelten kann und dass die Chance besteht, dass Tibet im Falle einer gewissen Instabilität in China wieder zu einem unabhängigen Land werden könnte.
Über den Verfasser
Jamyang Norbu erhielt seine Bildung an der St. Joseph's School in Darjeeling. Er hat seit 1967 verschiedene Posten in der tibetischen Regierung im Exil bekleidet und war kurze Zeit Mitglied der Tibetischen Widerstandstruppe in Mustang.
Norbu war einer derjenigen, die 1970 den ersten Tibetischen Jugendkongress (TYC) einberiefen, und er gehörte dessen Zentralem Exekutivkomitee zehn Jahre als Mitglied an. Er war es auch, der das Modell für die Besteuerung der Tibeter im Exil (das System des grünen Buches) schuf, das seit 1972 die Haupteinnahmequelle für die Exilregierung ist. Norbu hat regelmäßig zu tibetischen und chinesischen Angelegenheiten Stellung genommen. Eine Sammlung seiner politischen Essays wurde in Buchform unter dem Titel Illusion and Reality (1989) vom TYC veröffentlicht. Die chinesischen Staatsorgane in Tibet hingegen haben seine Schriften als folgenlos "wie das Flügelschlagen einer Fliege gegen einen Granitblock" verhöhnt.
Er war Direktor des Tibetischen Instituts für darstellende Künste (1979-84) und Leiter des ersten tibetischen Kulturensembles, das 1975 eine internationale Tournee unternahm. Er hat fünf Theaterstücke verfasst und produziert: The Chinese Horse (1970), Yuru (1981), The Claws of Karma (1982), Official Problem (1984), Titanic II (1998) sowie ein traditionelles Opernlibretto: The Iron Bridge (1983). Gegenwärtig arbeitet er an zwei Stücken: Longsho, einer Fabel über den Freiheitskampf, und Stumbling Around Everest. Er war auch Herausgeber und Mitautor des Buches Performing Arts of Tibet. Neben einigen Literaturbesprechungen und Kurzgeschichten hat Norbu auch den Roman Horseman in the Snow (1978) verfasst, der ins Japanische, Polnische und Französische übersetzt und unter dem Titel Warriors of Tibet neu herausgegeben worden ist. Sein Roman The Mandala of Sherlock Holmes und eine weitere Essay-Sammlung, Shadow Tibet sollen Ende 1999 in Buchform vorliegen. Für sein literarisches Werk erhielt Norbu 1991 zusammen mit acht weiteren in Schottland ansässigen Schriftstellern und Dichtern ein Stipendium des Scottish Arts Council.
Norbu hat an über 100 Universitäten und Institutionen in den USA, Kanada, Australien, Frankreich, Indien, Japan und Großbritannien Vorlesungen über tibetische Kultur und den tibetischen Freiheitskampf gehalten, u.a. an der Harvard Law School, dem Harvard Education Forum, der John F. Kennedy School of Government, MIT, der Columbia University, dem John King Fairbank Centre for East Asian Research, der Stanford University, U.C.L.A., U.C. Berkeley, dem National Holocaust Memorial Museum (Washington D.C.), dem Canadian Institute of International Affairs, dem Royal Ontario Museum, der Cambridge University, der Royal Academy of Arts (London) u.v.a. Des weiteren hat er in Fernseh- und Rundfunksendungen und in Interviews auf der ganzen Welt für die Sache Tibets geworben.
Gegenwärtig ist Jamyang Norbu einer der Direktoren des Amnye Machen Institute, Tibetan Centre for Advanced Studies, in Dharamsala, das 1994 und 1996 den dänischen Poul-Lauretzen-Freiheitspreis erhielt. Neben seinen vielen Veröffentlichungen und Bildungs- und Kulturprogrammen fungierte das Institut als Veranstalter der ersten nationalen Konferenz tibetischer Schriftsteller (1995) und der Konferenz Sea of Inhumanity, einer Konferenz über Tibet während der Kulturrevolution (1996). Von 1993 bis 1996 war Norbu Herausgeber der Zeitung Mangtso (Demokratie), der größten unabhängigen tibetischsprachigen Zeitung. Norbu ist außerdem Herausgeber von Lungta, einer im Amnye Machen Institute erscheinenden Zeitschrift für tibetische Geschichte und Kultur.
Jamjang Norbu ist mit Dr. Tenzing Chounzom verheiratet und hat eine Tochter Namkha Lhamo, geboren am 21. Februar 1997.